Wenn wir unsere Küche wiederentdecken: Corona macht’s möglich

Wer den ganzen Tag außer Haus ist, in den Abendstunden noch viel beschäftigt und selbst am Wochenende von Terminen geplagt ist, der kennt die heimische Küche oft nur als den Ort, an dem Essenslieferungen abgestellt und vielleicht Rest aufgewärmt werden können.

Der Kühlschrank steht ebenfalls dort und dient als Lagerplatz für kühle Getränke. Doch mit Corona drehte sich in vielen Haushalten der Wind und mit einem Mal kam Freizeit und Zuhause sein auf. Das Leben vieler Menschen veränderte sich durch Corona massiv und plötzlich hieß es in vielen Küchen: »Sollen wir das Kochen nicht einmal ausprobieren?

Selbst kochen ist wieder beliebter
Mit der neuen Freizeit, die durch wegfallende Veranstaltungen, der »Ausquartierung« ins heimische Office und somit den entfallenden Fahrtwegen und dem Nicht-Treffen von Freunden aufkam, änderte sich für viele Menschen eine alte Konstante. Das Essen stand plötzlich im Mittelpunkt, nur nicht auf Knopfdruck oder als Take-away, sondern aus dem eigenen Kochtopf. Wie diese Statistik offenbart, nutzten wesentlich mehr Menschen länger und häufiger Food-Webseiten. Aber warum?

  • Rezepte – wer sonst eher selten kocht, der hat sich während Corona über neue Rezepte informiert. Viele versuchten sich wohl auch zum ersten Mal am Selbstkochen und nutzten das Internet als Hilfsmittel.
     
  • Gesunde Ernährung – auf Corona hat niemand wirklich Lust. Daher ist es wenig verwunderlich, dass sich viele Menschen mit der gesunden, abwechslungsreichen und vielfältigen Ernährung auseinandersetzten, da diese dem Körper die Nährstoffe und Vitamine spendet, die er benötigt, um ein gutes Immunsystem aufzubauen.
     
  • Gesunde Snacks – außerhalb von Corona haben viele Menschen einen festen Mahlzeitenplan, der oft in drei Speisen gegliedert ist. Dieser Trend wurde durch Corona aufgebrochen. Viele nutzten eher kleine und gesunde Snacks und griffen auf mehrere Mahlzeiten statt auf drei große Mahlzeiten zurück. Das Essverhalten wurde individueller und spontaner. Für die Gesundheit ist dieser Trend übrigens gut, denn der Körper wird wesentlich weniger belastet, wenn er mit leichter Kost auf mehreren Mahlzeiten verteilt konfrontiert wird, als mit drei echten Mahlzeiten, die er erst mal verwerten muss. Hier gilt das übliche Mittagstief als Stichpunkt.

Sicherlich ist das Selbstkochen oft aus der eigenen Not entwachsen. Gerade Familien, die ihre Kinder dauerhaft zu Hause beschäftigen mussten, nutzten die Essenszubereitung gemeinsam mit dem Nachwuchs als Beschäftigungsmittel. Und wenn abends und am Wochenende keine Beschäftigungen warten, Freunde auch allerhöchstens sehr eingeschränkt getroffen werden können, dann ist das Selberkochen ein tolles Mittel, gegen Langeweile und Frust anzukämpfen.

Welche Chancen eröffnet das?
In vielerlei Hinsicht bietet die Corona-Krise auch die Chance, Aspekte seines Lebens neu zu ordnen und sich in privater Sicht umzuorientieren. Augenblicklich hat sich der Blick auf das Leben und auch für Lebensmittel verändert:

  • Frische Produkte – das Selbstkochen ging häufig mit der Zubereitung frischer Speisen einher. Frische Produkte stehen hoch im Kurs.
     
  • Regionale Produkte – in vielen Haushalten wurde vermehrt auf regionale, frische und nachhaltige Kost gesetzt. Das lässt sich natürlich auch fortan weiternutzen, immerhin bieten immer mehr Biobauern oder Lieferdienste die Lieferung von Gemüsekisten an.
     
  • Weniger Fast-Food – muss es unbedingt Fast-Food sein, wenn es schnell gehen soll? So viel Fast-Food lässt sich Zuhause ebenso schnell zubereiten, wie die Wartezeit auf die Essenslieferung beträgt. Wer Gemüse klein schneidet und einfriert, der braucht nur noch das Gefrierfach öffnen und hat alle frischen Zutaten für leckere Gerichte parat. Reste vom frisch gekochten Abendessen oder vom Wochenende können eingefroren und mit zur Arbeit genommen werden.
     
  • Genießen – ein großes Problem in vielen Teilen der Welt ist, dass Lebensmittel und Speisen durch die ständige Verfügbarkeit eine geringe Wertschätzung erfahren. Jetzt, wo Restaurants geschlossen waren, bietet sich die Chance, den Restaurantbesuch nicht mehr als Selbstverständlichkeit, sondern als etwas Besonderes anzusehen. Restaurantbesuche können und sollten genossen werden.

Wer in den letzten Monaten selbst gekocht hat, der hat wahrscheinlich festgestellt, dass eine Vielzahl an Gerichten unglaublich schnell geht. Natürlich muss hin und wieder auf Tiefkühlware zurückgegriffen werden, doch ist es nicht sinnvoller, Lachs zuzubereiten, als die Tiefkühlpizza? Mit Beilage benötigen beide Gerichte knapp zwanzig Minuten.

Auch die Umwelt profitiert
Wenn zunehmend auf Local Food gesetzt wird, profitiert davon natürlich auch die Umwelt. Regionale Zutaten stammen aus der Region, wodurch die Transportwege geringer werden. Natürlich gibt es auch mehr Food-Händler auf der Straße oder auf dem Wochenmarkt, doch deren Belastung ist geringer, als die des Eisbergsalats, der in Peru angebaut wurde. Es gibt aber noch mehr Punkte, die die Umwelt schonen: 

  • Verpackungen – wird weniger Essen bestellt oder To-Go mitgenommen, fällt weniger Verpackungsmüll an. Noch längst hat nicht jeder Händler auf wiederverwendbare oder biologische Verpackungen umgestellt.
     
  • Verpackungsmüll – Fertiggerichte verursachen Verpackungsmüll. Das kann jeder bezeugen, der das Fertiggericht einmal aus einer Plastiklage, dann Pappverpackung und schließlich aus dem Alubehälter geschält hat.
     
  • Verschwendung – wenn Speisen selbst zubereitet werden, tritt oft ein interessantes Phänomen auf: Die Mahlzeit wird wertgeschätzt und seltener entsorgt. Das, was mit den eigenen Händen geschnitten, gewürzt und gerührt wurde, ist im Kopf mehr wert, als das, was zur Tür geliefert wurde. Sollte das Selberkochen künftig also weiterhin ein fester Bestandteil bleiben, so wird sich die Lebensmittelverschwendung reduzieren. Dies liegt natürlich auch daran, dass Lieferdienste und Restaurants weniger Speisen auf Vorrat zubereiten würden.

Den größten Profit konnte die Umwelt in den vergangenen Monaten jedoch aus Corona selbst ziehen: Wem ist nicht aufgefallen, wie klar und sauber die Luft mit einem Mal war, als alles stillstand?

Fazit – am Gelernten festhalten
Natürlich wünscht sich jeder, dass Corona endlich vollends vorbei ist. Doch an manchen neuen Fähigkeiten sollte ein jeder festhalten. Das Selbstkochen, die Mahlzeiten nach Hunger, nicht nach Mittagspausen aufteilen, den Gemüsemarkt häufiger besuchen und einfach frische und regionale Produkte statt das Fast-Food-Restaurant um die Ecke zu nutzen, gehören sicherlich mit dazu. Wer geschickt vorgeht und gleich für mehrere Mahlzeiten kocht, der kann auch wieder zurück am Arbeitsplatz dauerhaft gesundes Selbstgekochtes essen.