Motorradunfälle auf Rekordhoch: KFV warnt vor Fahren ohne Schutzkleidung an heißen Tagen

Das Risiko beim Motorradfahren verletzt zu werden, ist unter Berücksichtigung der Fahrleistung rund 37-mal so hoch wie beim Pkw. Gleichzeitig zeigen aktuelle KFV-Erhebungen: 45 Prozent der Motorradfahrenden tragen keine angemessene Schutzkleidung, im Ortsgebiet sind es sogar 76 Prozent. Auch bei niedrigeren Geschwindigkeiten kann Schutzkleidung viel bewirken. Das KFV warnt daher davor, an heißen Tagen auf Schutzkleidung zu verzichten. Besonders empfehlenswert ist Bekleidung mit integrierten Airbag-Systemen. Bereits 2025 gab es nicht nur österreichweit einen neuen Rekord bei den Verletzten, sondern auch in NÖ, Kärnten, Wien und in der Steiermark.

Die Zahl der in Österreich zugelassenen Motorräder ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen: Ende 1970 waren rund 113.000 Motorräder zugelassen, Ende 2000 bereits 280.000, mittlerweile sind es rund 700.000. Mit der wachsenden Zahl an Motorrädern gewinnt auch das Thema Schutzkleidung weiter an Bedeutung. Dennoch zeigen rund 13.900 Beobachtungen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), dass viel zu viele beim Motorradfahren unzureichend geschützt sind.

Insgesamt tragen 45 Prozent keine angemessene Schutzkleidung. Besonders niedrig sind die Tragequoten im Ortsgebiet: Dort sind 76 Prozent der Motorradfahrenden nicht ausreichend geschützt. Im Freiland sind deutlich weniger (31 Prozent) leichtsinnig unterwegs, aber immer noch fast ein Drittel. „Es ist ein Irrglaube, dass einem bei geringem Tempo im Ortsgebiet nichts Schlimmes passieren kann“, betont Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV.

Moderne Schutzkleidung kann Verletzungen reduzieren

Als angemessen wertet das KFV beim Motorradfahren das Tragen von Helm, Handschuhen, Motorradstiefeln sowie Motorradbekleidung aus Textil oder Leder für Beine und Oberkörper. Gerade bei Motorrädern sollte moderne Schutzkleidung aber über das Mindestmaß hinausgehen. „Das Präventionspotenzial mit Jacken, Westen oder Hosen, die mit Airbags ausgestattet sind, wird noch viel zu wenig genutzt. Airbag-Systeme in der Motorradbekleidung können vor allem auch bei moderatem Tempo dazu beitragen, die Schwere von Verletzungen wie Abschürfungen, Prellungen oder Rippenbrüchen zu verringern“, erklärt Robatsch. Wer ohne Schutzbekleidung bei einem Unfall verletzt wird, muss laut Judikatur sogar mit einer Reduktion des Schmerzensgeldes rechnen – selbst dann, wenn der Unfallgegner die volle Schuld am Unfall trägt.

Intelligente Sensoren in moderner Airbag-Schutzkleidung erkennen Stürze binnen Sekundenbruchteilen und lösen den Airbag aus, um die Aufprallenergie zu reduzieren. „Verzichten Sie bitte auch bei sommerlichen Temperaturen nicht auf angemessene Schutzkleidung. Statt schwerer Lederbekleidung gibt es mittlerweile sehr gute atmungsaktive Textilmaterialien. Auch Airbag-Westen sind in leichten Ausführungen erhältlich“, so der Experte. Moderne Schutzbekleidung nimmt selbst großer Hitze den Schrecken: Lüftungsklappen, Mesh-Material und eine clevere Luftführung sorgen für angenehme Kühlung, während die Jacke zugleich Schutz vor Sonnenbrand bietet.

© KFV

Zahl der Verletzten auf neuem Höchststand

Nach dem Rekordhoch im Jahr 2024 erreichte die Zahl der Verletzten im Jahr 2025 mit 4.584 Motorradfahrenden erneut einen Höchstwert. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch den Anstieg bei den Leichtverletzten: Seit dem Jahr 2000 ist ihre Zahl um 55 Prozent gestiegen, während die Zahl der Schwerverletzten im selben Zeitraum sogar leicht gesunken ist. „Auch als leicht eingestufte Verletzungen können äußerst schmerzhaft sein. Gerade bei solchen Unfällen kann angemessene Schutzbekleidung – insbesondere mit Airbag-Systemen – dazu beitragen, Verletzungen zu vermeiden oder zumindest ihre Schwere zu reduzieren“, betont Dipl.-Ing. Robatsch. Tatsächlich gelten als „leichte Verletzungen“ auch großflächige Hautabschürfungen, große Platzwunden und einfache Knochenbrüche. Selbst mit zwei gebrochenen Rippen gilt man noch als leicht verletzt.

Verletzungsrisiko ist beim Motorrad 37-mal so hoch wie beim Pkw

Wie gefährlich Motorradfahren ist, zeigt nicht nur der stetige Anstieg der Verletztenzahlen, sondern auch die Entwicklung bei den Getöteten. Während die Zahl der bei Pkw-Unfällen Getöteten seit 1976 von 991 (!) auf 166 im Jahr 2025 massiv gesenkt werden konnte, stagniert die Zahl der Motorradtoten seit Jahrzehnten auf hohem Niveau. Im Jahr 1976 waren 94 Motorradtote zu beklagen, im Jahr 2025 waren es immer noch 81. Im Jahr 2026 gibt es derzeit bereits mindestens 36 Motorradtote (1. Jänner bis inkl. 12. Juli 2026).

Eine aktuelle KFV-Studie, die auch die Fahrleistung berücksichtigt, verdeutlicht das Risiko: Das Risiko beim Motorradfahren verletzt zu werden, ist unter Berücksichtigung der Fahrleistung rund 37-mal so hoch wie beim Pkw. Trotz aller Fortschritte bei Schutzkleidung und Airbag-Technologie zählen Motorradfahrende weiterhin zu den am schlechtesten geschützten Verkehrsteilnehmenden.

Zahl der Verletzten auch in vier Bundesländern auf Rekordhoch

Im Vorjahr wurde nicht nur österreichweit, sondern auch in mehreren Bundesländern eine rekordhohe Zahl an beim Motorradfahren verletzten Personen verzeichnet. In Niederösterreich waren es 978 Verletzte, in Wien 799, in der Steiermark 688 und in Kärnten 410. Damit erreichten diese vier Bundesländer 2025 jeweils den höchsten Wert seit Beginn der verfügbaren Zeitreihe im Jahr 1976. Auch in mehreren anderen Bundesländern lagen die Zahlen nahe an den bisherigen Höchstständen. In Salzburg wurden 305 Verletzte registriert; der Rekordwert von 315 stammt aus dem Jahr 1984. In Tirol waren es 521 gegenüber dem bisherigen Höchstwert von 557 im Jahr 2001. Oberösterreich verzeichnete 619 Verletzte und lag damit unter dem Höchststand von 689 im Jahr 2023. Im Burgenland wurden 93 Verletzte registriert; der bisherige Höchstwert lag bei 105 im Jahr 2011. Deutlich größer war der Abstand zum historischen Höchststand lediglich in Vorarlberg: 2025 wurden dort 171 Verletzte verzeichnet, während es im Rekordjahr 1983 insgesamt 341 waren. Generell lagen die Verletztenzahlen beim Motorradfahren in Vorarlberg während der 1980er-Jahre besonders hoch.

Tipps zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beim Motorradfahren

  • Achtung beim Neukauf: Nur Motorräder mit mehr als 125 m³ Hubraum müssen laut EU verpflichtend mit ABS ausgestattet sein. Beim Kauf von kleineren Motorrädern daher nicht bei der Sicherheit sparen und trotzdem nur Modelle mit ABS in Erwägung ziehen.
  • Auch im Sommer VollvisierhelmHandschuheSchutzjacke und Stiefel tragen. 
  • Auf atmungsaktivehelle und abriebfeste Schutzkleidung achten. 
  • Bei Hitze ausreichend trinken und regelmäßige Pausen einlegen, daFlüssigkeitsmangel die Aufmerksamkeit beeinträchtigen kann. 

Airbag-JackenAirbag-Hosen oder Airbag-Westen können die Verletzungsschwere auch bei niedrigeren Geschwindigkeiten reduzieren.

www.kfv.at