Der alkoholfreie Drink wird zur Kalkulationsgröße der Gastronomie

2025 war in Österreich bereits eines von 25 gezapften Bieren alkoholfrei. Den Wert nennt der Verband der Brauereien Österreichs in seiner Braubilanz und sieht im alkoholfreien Segment eine der wenigen Wachstumsmöglichkeiten in einer sonst schrumpfenden Branche. Für Wirte ändert das, was einmal die Regel war: Alkoholfreie Getränke galten in der Gastronomie lange Zeit als notwendiges Übel für Autofahrer. Heute bestimmen sie Bonhöhe und Deckungsbeitrag. Das Wachstum kommt nicht mehr vom Rand der Karte. Es kommt aus der Mitte.

Jeder vierte Österreicher greift regelmäßig zu alkoholfrei

Die Nachfrage macht die Veränderung. Laut dem Bierkulturbericht der Brau Union trinken 25 Prozent der Österreicher regelmäßig alkoholfreies Bier, besonders häufig die 30- bis 39-Jährigen. Das sind keine Verzichtenden. Viele wechseln im Verlauf eines Abends bewusst zwischen Vollbier und alkoholfrei, ein Muster, das die Branche als Zebra-Striping bezeichnet. Der Wechsel erklärt der Brauereiverband mit zwei Bewegungen: Jüngere verzichten häufiger ganz, Ältere bleiben Bierfans, trinken aber immer öfter alkoholfrei.

Der Wechsel zahlt auf die Verweildauer ein. Wer alkoholfrei bestellt, bleibt sitzen, ordert nach und verlässt das Lokal nicht früher. Für die Kalkulation wiegt der zusätzliche Gang an die Schank nicht selten schwerer als die reine Absatzmenge.

Klassisches Bier verliert dennoch schneller, als alkoholfrei nachwächst. Der Fass- und Tankbierausstoß, für viele Betriebe der ertragsstärkste Teil, sinkt weiter. Das Segment stützt den Umsatz, ersetzt das verlorene Volumen aber nicht.

Wenn der Mocktail als teure Limonade gilt

Mit der Nachfrage kommt das Preisproblem. Ein alkoholfreier Cocktail bindet in der Herstellung fast so viel Aufwand wie sein alkoholisches Gegenstück, kalkuliert wird er jedoch gegen die Erwartung des Gastes. Sinahn Fabian Sehk, beim Kassensystemanbieter Lightspeed für die DACH-Region zuständig, brachte es Anfang 2026 auf den Punkt. Gäste wollen alkoholfreie Alternativen, vergleichen aber Preis und Leistung kompromisslos. 

Gilt ein Mocktail als teure Limonade, ist das ein eindeutiges betriebswirtschaftliches Signal. Sichtbar wird die Wertigkeit über das Handwerk. Bitterstoffe, Kräuter, fermentierte Komponenten und ehrliche Grundstoffe tragen einen Preis, den bloße Süße nicht rechtfertigt. Süße allein verkauft sich billig. Die Karte entscheidet mit. Wer alkoholfreie Drinks ans Ende der Getränkeliste schiebt, behandelt sie als Anhängsel und erntet entsprechende Bestellzahlen. 

Stehen sie als eigene Rubrik neben den klassischen Positionen, mit eigener Beschreibung und nachvollziehbaren Zutaten, wächst auch die Bereitschaft, den Aufpreis zu zahlen. Ein Drink, der als hausgemachter Kräuter-Spritz auftritt, verkauft sich anders als ein alkoholfreies Mischgetränk, obwohl im Glas dasselbe steht.

Transparenz und Vergleichbarkeit gewinnen an Bedeutung

Mit dem wachsenden Angebot steigt auch der Informationsbedarf der Konsumenten. In vielen Bereichen des digitalen Konsums orientieren sich Nutzer deshalb an renommierten Vergleichsportalen, wie beispielsweise casino.at im iGaming-Sektor, die Angebote strukturiert gegenüberstellen und Qualitätsunterschiede nachvollziehbar machen. Vergleichbarkeit schafft Vertrauen und erleichtert die Kaufentscheidung.

Ein ähnlicher Effekt zeigt sich zunehmend auch in der Getränkegastronomie. Je vielfältiger alkoholfreie Alternativen werden, desto stärker profitieren Betriebe davon, Herkunft, Zutaten und Besonderheiten ihrer Drinks klar zu kommunizieren und damit einen erkennbaren Mehrwert gegenüber austauschbaren Standardangeboten zu schaffen.

Agavenspirituosen und Aperitivos jenseits des Bieres

Über das Bier hinaus legt die Kategorie an mehreren Stellen zu. Der Getränkegroßhändler Del Fabro Kolarik meldete für 2026 bei alkoholfreien Spirituosen ein Plus von 40 Prozent, während der Spirituosenmarkt insgesamt leicht nachgibt. Aperitivo-Formate profitieren besonders, weil sie Spanne und Wiederbestellrate verbinden und sich im Stielglas alkoholfrei wie klassisch ausschenken lassen. Bei der alkoholfreien Variante trägt auch der Filler zur Wertigkeit bei, und Anbieter wie Fever-Tree weiten ihr Sortiment in Österreich aus.

Parallel verschiebt sich die Cocktailkarte weg vom Wacholder. Agavenspirituosen wie Tequila und Mezcal gewinnen, getragen von ihrer Aromatik zwischen fruchtig und rauchig, und ziehen alkoholfreie Interpretationen nach sich. Das Marktforschungsinstitut IWSR sieht alkoholfreies Bier als Volumenrückgrat der Kategorie und verzeichnet weltweit anhaltenden Zustrom neuer Käufer, der das Wachstum über reine Verzichtsmotive hinausträgt.

Auch große Abfüller drängen ins Segment. Vöslauer brachte 2026 mit Flavours OHNE eine Range ohne Zucker und ohne Kohlensäure in Österreich und Deutschland auf den Markt. Dass die Branche das Thema ernst nimmt, lässt sich zudem an eigenen Auszeichnungen ablesen. Der Austrian Zero Award ging 2026 in seine zweite Runde und prämiert alkoholfreie Getränke gesondert, ein Format, das es vor wenigen Jahren nicht gab.

Alkoholfreier Gin darf seit November 2025 nicht mehr Gin heißen

Rechtlich ist die Kategorie noch nicht ausjudiziert. Am 13. November 2025 entschied der Europäische Gerichtshof in der Rechtssache C-563/24, dass ein alkoholfreies Getränk nicht als Gin bezeichnet werden darf. Ausgelöst hatte das Verfahren ein deutscher Wettbewerbsverband, der gegen ein Produkt namens Virgin Gin Alkoholfrei vorging. Nach der EU-Spirituosenverordnung 2019/787 muss Gin mindestens 37,5 Volumenprozent Alkohol enthalten und aus mit Wacholder aromatisiertem Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs stammen. Der Zusatz alkoholfrei ändert daran nichts, wie eine Einordnung von Deloitte Österreich festhält. Die geschützte Bezeichnung bleibt alkoholischen Produkten vorbehalten, auf eine Irreführung kommt es nicht an.

Anders verlief es wiederum bei pflanzlichen Lebensmitteln. Im Oktober 2024 entschied derselbe Gerichtshof, dass Bezeichnungen wie Wurst oder Steak für vegetarische Produkte zulässig bleiben, solange keine gesetzlich geschützte Bezeichnung entgegensteht. Eine vergleichbare Definition fehlt bei Fleisch, bei Gin greift sie, und genau das erklärt die schärferen Auflagen bei alkoholfreien Spirituosen.