Der Warenkorb-Wahnsinn

Gastro-Webshops auf dem Prüfstand. Kolumne von Bettina Fleiss

Es ist 22:47 Uhr. Der letzte Gast ist gerade gegangen, die Kaffeemaschine zischt sich in den Feierabend und irgendwo zwischen Kühlhaus, Lager und halbleeren Gemüsekisten beginnt für viele Gastronom:innen die nächste Schicht: bestellen.

Also schnell noch den Bestand auf einen Zettel kritzeln, Laptop aufklappen oder Mobiltelefon zücken, Webshop öffnen – und hoffen, dass der digitale Einkauf heute nicht wieder zur Geduldsprobe wird. Denn Hand aufs Herz: Viele Gastro-Webshops fühlen sich noch immer an wie ein Internetmuseum mit Login – zumindest ist da meine persönliche Erfahrung. Zu wenig Struktur, komplizierte Navigation, fehlende Bilder und Infos, kryptische Produktnamen und Liefereinheiten, die man erst nach drei Klicks und einem stillen Stoßgebet versteht. Ist der Sauerrahm jetzt im 5-Kilo-Eimer? Kommen die Weinflaschen im 6er- oder 12er-Karton? Und warum heißt die Standard-Tomate plötzlich ‚Premium-Lyco‘?

Die Folge: Zeitverlust, Frust – und am Ende greift man doch wieder zum Telefon – natürlich erst am nächsten Tag, wenn der Telefonverkauf wieder tätig ist. Genau das sollte ein guter Webshop eigentlich verhindern.

Die Realität in der Gastronomie und Hotellerie und damit auch meine: Wir sitzen nicht mit einem Glaserl entspannt vor dem Bildschirm. Bestellt wird zwischen dem ersten Espresso und Tagesabschluss, oft spätabends, unter Zeitdruck und mit einem Kopf voller unerledigter To-dos. Der Anspruch ist also simpel: schnell finden, einfach verstehen, unkompliziert abschicken.

Und genau hier liegt die große Chance

Zeitgemäße Webshops sind längst mehr als digitale Bestelllisten. Gute Systeme erkennen frühere Einkäufe, schlagen passende Produkte vor, speichern Standardbestellungen, zeigen Verfügbarkeiten in Echtzeit und funktionieren mobil einwandfrei. Internationale B2B-Trends gehen Richtung intuitive Interfaces, smarte Suchfunktionen und personalisierte Benutzeroberflächen – genau dorthin, wo der Onlinehandel im Privatbereich längst angekommen ist.

Warum soll das private Bestellen einfacher sein als das gewerbliche Bestellen für einen Betrieb? Ein guter Webshop spart auch im Business nicht nur Zeit, sondern reduziert Fehler, entlastet den Vertrieb und stärkt die Kundenbindung. Warum das so ist? Wer einfach bestellen kann, bestellt häufiger – und vor allem mit einem besseren Gefühl.

Internationale Plattformen setzen zunehmend auf KI-gestützte Empfehlungen, automatisierte Nachbestellungen und individuell anpassbare Dashboards. Besonders im B2B-Bereich werden Benutzerfreundlichkeit und Zeitersparnis zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Mein ehrliches Plädoyer an Händler und Lieferanten: Bringt eure virtuellen Bestellmöglichkeiten auf Vordermann. Macht sie schneller, klarer und intuitiver. Liefert alle Infos frei Haus, integriert gute Produktbeschreibungen und sorgt dafür, dass Bestellen nicht zur digitalen Schnitzeljagd wird. Denn am Ende wollen wir Gastronom:innen keine Erlebnisreise im Warenkorb. Wir wollen einfach nur vor Mitternacht unsere Weinflaschen und Gemüsekisten geordert haben.

Wissen to go

Ein guter Gastro-Webshop spart Zeit und Nerven, reduziert Fehler und entlastet beide Seiten. Entscheidend sind: einfache Bedienung, klare Produktinfos, verständliche Liefereinheiten und mobile Nutzbarkeit. Wer Bestellen unkompliziert macht, gewinnt nicht nur Effizienz, sondern auch treue Kund:innen.

Fragen bitte an hallo@fleissundfreude.com