Gutes Brot – kein Wiener Privileg
Warum die Kooperation von Resch&Frisch und Joseph Brot auch für die Gastronomie interessant ist

Warum die Kooperation von Resch&Frisch und Joseph Brot auch für die Gastronomie interessant ist
Ein hervorragendes Frühstück mit beliebigem Gebäck? Eine vertane Chance!
Denn kaum ein Lebensmittel ist so alltäglich – und gleichzeitig so emotional aufgeladen – wie Brot.
Es steht für Heimat und Kindheit, für Handwerk und Regionalität. Es duftet, knuspert und kommt auf den Tisch, bevor Küche oder Service zeigen können, was sie können.
Brot ist damit nicht bloß Beilage. Es ist häufig der erste kulinarische Eindruck des Hauses
Und genau deshalb ist eine Kooperation interessant, die auf den ersten Blick gar nichts mit Gastronomie zu tun hat.
Resch&Frisch und Joseph Brot haben drei Bio-Gebäcke aus seltenen österreichischen Getreidesorten entwickelt. Ab 14. September werden sie über die Resch&Frisch-Hauszustellung österreichweit an private Haushalte geliefert.
Das ist B2C. Aber dahinter steckt ein Thema, das die Gastronomie unmittelbar betrifft.
Wer in Wien, Linz oder Salzburg lebt, kann heute zwischen zahlreichen handwerklich arbeitenden Bäckereien wählen. In vielen ländlichen Regionen sieht die Sache anders aus.
Aber genau dort befindet sich aber ein beträchtlicher Teil der österreichischen Ferienhotellerie und Gastronomie.
Das führt zu einem bemerkenswerten Widerspruch: Ein Hotel kann regionale Milch, Eier vom Bauern nebenan, Käse aus der Umgebung und Fleisch aus nachvollziehbarer Herkunft anbieten – und beim Frühstück landet trotzdem austauschbares – nenn wir es Gebäck – im Korb. Nicht, weil der Gastgeber das will. Sondern weil konstante Qualität, Mengenverfügbarkeit, Logistik, Frische und wirtschaftlich vertretbarer Wareneinsatz gleichzeitig gewährleistet werden müssen.

Die Kooperation von Resch&Frisch und Joseph Brot zeigt deshalb etwas Größeres:
Joseph Brot bringt dafür seltene Getreidesorten, Bio-Rohstoffe, lange Fermentation und Handwerkspositionierung ein. Resch&Frisch verfügt über jene Logistik- und Fertigbackkompetenz, mit der Produkte österreichweit verfügbar gemacht werden können.
Zunächst für Haushalte. Das Prinzip dahinter ist für die Gastronomie mindestens ebenso interessant.
Brot ist längst Teil der kulinarischen Inszenierung geworden.
72 Prozent der Österreicher bezeichnen laut aktuellem Resch&Frisch-Brotreport den Geschmack als besonders wichtig, 65 Prozent die Frische und 53 Prozent die Qualität der Zutaten. 86 Prozent essen mehrmals pro Woche Brot oder Gebäck, mehr als ein Drittel täglich.
Damit besitzt Brot etwas, wovon viele gastronomische Produkte nur träumen können: enorme Vertrautheit bei gleichzeitig hoher sensorischer Aufmerksamkeit.
Dazu kommen weitere Werte, die Gastgeber nutzen können: Herkunft, Regionalität, Handwerk, Biodiversität, Fermentation, Nachhaltigkeit und nicht zuletzt Storytelling.
„Semmel“ erzählt wenig.
„Tauernroggen aus Salzburg“, „Sipbachzeller Weizen aus Oberösterreich“ oder „Waldstaudenroggen aus Niederösterreich“ erzählen dagegen eine Geschichte.
Und damit bekommt die Kooperation noch eine zweite Dimension.
Joseph Brots „Ur-Gut“-Initiative baut gemeinsam mit 24 kleinbäuerlichen Familien derzeit 17 alte Getreidesorten in sechs Bundesländern an. Darunter Attergauer Dinkel, Schwarzer Emmer, Lungauer Tauernroggen, Früher Tiroler Binkel und Sipbachzeller Weizen.
Das ist mehr als Rohstoffbeschaffung.
Es ist kulinarische Regionalgeschichte.
Österreich verkauft sich touristisch über Landschaft, Wein, Käse, Fleisch, Almen und regionale Küche. Getreide kommt in dieser Erzählung erstaunlich selten vor. Dabei könnte Brot ebenso Herkunft vermitteln wie Wein.
Ein Lungauer Tauernroggen gehört zum Lungau. Ein Tiroler Binkel zu Tirol. Ein regionales Frühstück könnte deshalb nicht nur Produkte aus der Region anbieten, sondern über Brot tatsächlich von dieser Region erzählen.
Gerade Hotels verschenken hier Potenzial.
Der Frühstückstisch ist schließlich jener gastronomische Kontaktpunkt, den nahezu jeder Hotelgast erlebt. Trotzdem wird Brot dort oft wie Verbrauchsmaterial behandelt.

Für die Kooperation wurden zunächst drei Produkte entwickelt: ein Bio-Korn-Krusti mit mehreren alten Getreidesorten, ein Bio-Brioche-Bagel unter anderem mit Sipbachzeller Weizen und Binkel sowie ein Bio-Bircher-Müsli-Weckerl auf Basis von Ur-Dinkel.
Die Gebäcke werden zu rund 80 Prozent gebacken, tiefgekühlt geliefert und erst unmittelbar vor dem Verzehr fertiggebacken.
Das löst ein Kernproblem dezentraler Versorgung: Der letzte Schritt der Frische entsteht dort, wo gegessen wird.
Für Privathaushalte ist das bequem.
Hochwertige, differenzierende Produkte auch dort verfügbar zu machen, wo eine entsprechende handwerkliche Bäckerei nicht jeden Morgen vor der Haustür steht.
Resch&Frisch erzielte 2025 nach Unternehmensangaben rund 155 Millionen Euro Umsatz und verfügt über eine entsprechend ausgebaute Vertriebsstruktur. Joseph Brot kam auf 26 Millionen Euro und besitzt eine starke Positionierung rund um Bio, Handwerk und alte Getreidesorten.
Der jetzige Schritt erschließt Joseph Brot neue private Kundengruppen außerhalb der eigenen Filialstandorte. Resch&Frisch wiederum wertet sein Sortiment mit einer deutlich stärker handwerklich und regional erzählten Produktlinie auf.


Aus Sicht der Gastronomie drängt sich allerdings eine Frage auf:
Gerade Hotels, Frühstücksbetriebe und Restaurants außerhalb urbaner Zentren brauchen Produkte, die drei Anforderungen zusammenbringen: verlässliche Logistik, kalkulierbare Verfügbarkeit und eine Qualität, über die man dem Gast tatsächlich etwas erzählen kann.
Denn Brot ist nicht das Nebendarsteller-Lebensmittel, für das es in vielen Betrieben noch gehalten wird.
Es ist Duft. Geräusch. Textur. Erinnerung. Herkunft.
Man könnte auch sagen: Der erste Bissen entscheidet darüber, welche Geschichte ein Gast über einen Betrieb mit nach Hause nimmt.